Exildiscount. A boy named Drew. Tanzmusik und Sounddesign aus Berlin.

A guy named Drew. Tanzmusik und Sounddesign aus Berlin.



Alternative House/Techno. Indie Rock. Fancy Pop.

Soundlogos. Sounddesign. Filmmusik.



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Montag, 30. Dezember 2013

Jahresendzeitfazit: Alben 2013

Ich muss gestehen, 2013 war ich mitunter so sehr mit dem Komponieren eigener Musik beschäftigt, dass ich von der musikalischen Außenwelt phasenweise überhaupt nichts mitbekommen habe. Nichtsdestotrotz hat mir dieses Jahr so einige Meisterwerke präsentiert. Und das aus den unterschiedlichsten Richtungen.




#13: Suede – Bloodsports

Ein wirkliches Meisterwerk ist Bloodsports vielleicht nicht unbedingt. Aber es macht mich glücklich. Suede haben nicht versucht sich neu zu erfinden und sind dabei nicht gescheitert. Manche mögen es schade finden, dass die Band nach so vielen Jahren einfach nur nach der eigenen Vergangenheit klingt. Aber für mich klingen sie wie Suede zu einem Zeitpunkt, als sie Musik gemacht haben, die mir sehr gefällt. Brett Anderson stolziert auch hier akustisch wie der Gockel mit den buntesten Federn durch die Lieder. Und auch wenn sie vielleicht nicht ganz so schön glitzern wie in ihren schönsten Momenten, schmücken sie ihn doch noch ganz gut. Findet Herr Anderson selbst offensichtlich auch, wenn man sich so seine Live-Performance ansieht. Trotzdem: Ich finde, der darf das. Sich selbst toll finden und so weiter, das gönne ich ihm. Außerdem war es ja auch irgendwie gemein von David Bowie, genau an dem Tag der Veröffentlichung der Vorabsingle Barriers Geburtstag zu haben und seinerseits völlig überraschend ein neues Lied rauszuhauen.




#12: Moderat – II

Modeselektor einzeln können mich in den letzten Jahren irgendwie nicht mehr so richtig begeistern. Ich finde gerade nicht die passenden Worte, um das genauer zu erläutern, aber nach Hello Mom! haben sie sich entweder in eine Richtung entwickelt, die mich nur noch oberflächlich berührt, oder ihre Musik war nie so richtig meine Sache und es war einfach am Anfang noch irgendwie spannend und dann nicht mehr. Wie auch immer, ich finde, aus der Zusammenarbeit mit Apparat geht etwas sehr Schönes hervor. Ein stellenweise hypnotisierendes, atmosphärisch dichtes Album.


MODERAT - milk from joppippoj on Vimeo.

#11: Jon Hopkins – Immunity

Mit Jon Hopkins habe ich mich bisher noch nicht weiter auseinandersetzen können. Heißt, ich habe keine Ahnung, was er vorher schon für Musik veröffentlicht hat. Eines der Alben, auf die ich eher nebenbei gestoßen bin, als ich gar nicht so richtig das Bewusstsein für Musik von außen hatte. Aber nichtsdestotrotz ist Immunity bis zu mir durchgedrungen und hat sich festgesetzt. Klassisch ausgebildeter Pianist macht jetzt Techno, so viel habe ich aufgegriffen. Und das macht er ziemlich gut. Erinnert mich an eine Mischung aus Moderat, Burial und noch irgendwas... vielleicht Ólafur Arnalds oder Nils Frahm? Clint Mansell? Ich komme gerade nicht mehr drauf. Egal, Immunity spricht eh für sich selbst.


Open Eye Signal - Jon Hopkins from AOIFE MCARDLE on Vimeo.

#10: Velvet Condom – Vanity and Revolt

Zwar "nur" eine Zusammenstellung von Songs aus vergangenen Alben und EPs, aber ich finde, den Platz in meiner Bestenliste haben sich Velvet Condom mit Vanity and Revolt absolut verdient. Ich muss auch gestehen, obwohl ich die Band schon öfter live erlebt hatte und sie mir auch sonst immer wieder und gerne über den Weg lief, hatte ich ihre Musik nie so richtig bewusst wahrgenommen. Kunst braucht eben immer auch den richtigen Moment. Um so schöner, dass ich diesen jetzt endlich erwischt habe. Wahrscheinlich findet die Musik dieser Band auch eher in Szenen statt, die nicht so hundertprozentig meine sind. Bezieht sich dabei klanglich auf eine Kultur, die sich mir einfach nicht so unmittelbar erschließt. Aber als ich die hier vereinten Stücke das erste Mal mit voller Aufmerksamkeit hörte, war ich begeistert. Hier passen Soundästhetik, Arrangement und Songwriting einfach perfekt. Sehr perfekt!




#9: Kool Thing – Kool Thing

Wieder eine Band, über die ich bislang leider noch wenig weiß. Nur, dass ich sie irgendwann bei Ich Bin ein Berliner im SO 36 live erlebt habe und davon sehr angetan war. Ebenso von dem Techno DJ-Set, das Julie Chance auf dem Elektro Floor bei London Calling diesen Monat spielte. Kool Thing haben einen erfrischend eigenen Sound. Und den gibt es jetzt endlich kompakt nachzuhören auf ihrem selbstbetitelten Debut-Album.


"LIGHT GAMES" | Kool Thing from Claire Kurylowski on Vimeo.

#8: John Grant – Pale Green Ghosts

John Grant habe ich am Küchentisch kennengelernt. Es war irgendwann Anfang dieses Jahres, ein Nachmittag. Er war im Radio und ich bei einem späten Frühstück. Und ziemlich schnell begeistert. Was er über Ex-Freunde, Depression und Größenwahn zu singen hat, ist unbedingt hörenswert. Na gut, als Gesamtkunstwerk ist Pale Green Ghosts vielleicht ein bisschen zu inkonsequent und planlos, um uneingeschränkt zu überzeugen. Der Facettenreichtum wirkt dann an manchen Stellen etwas fasrig und bremst so das Album aus. Aber dafür sind die guten Stücke nicht nur gut, sondern nahezu grandios! Finde ich jedenfalls. Und den Background-Gesang von Sinéad O'Connor höre ich auch äußerst gerne!




#7: The Black Angels – Indigo Meadow

Endlich Gitarren!!! Ihr Album Directions To See a Ghost von 2008 konnte mich noch nicht so richtig überzeugen, aber mit den letzten beiden Alben erfüllen The Black Angels so manches meiner musikalischen Psychedelikbedürfnisse. Da es sich hier um so was wie Spartenmusik handelt, die auf ziemlich klar definierten Schienen rollt, muss das Songwriting umso mehr leisten. In gewisser Weise schafft die Band auf Indigo Meadow ähnliches wie Tame Impala letztes Jahr mit ihrem Album Lonerism: ein in sich homogenes Album, das gleichzeitig alt und neu klingt, ohne dass die Harmonie zwischen diesen beiden Attributen auch nur im geringsten in Frage gestellt werden kann.




#6: Black Rebel Motorcycle Club – Specter At The Feast

Noch mehr Gitarren! Und Bass!!! Ich kenne Leute, die mögen BRMC nicht. Oder finden sie langweilig oder belanglos. Ich kenne aber auch Leute, die werden sehr, sehr glücklich, wenn sie die Musik dieser Band hören. Ich freue mich, mich eher in die letzte Kategorie einordnen zu können. Ich wünschte, mir würden gerade nicht so sehr die erklärenden Worte fehlen, was genau mich an dieser Musik bewegt. Aber die Erklärung werde ich wohl bei Bedarf und Gelegenheit nachreichen müssen. Vielleicht ist es aber auch einfach die unaufdringliche Coolness, die die drei nicht nur optisch, sondern auch akustisch ausstrahlen. Für mich klingt es sozusagen ehrlich. Hier wird nicht versucht, unnötig viel Aufmerksamkeit geschweige denn Schwung für einen Hype zu erzeugen. Zwar wirkt die Produktion auf Specter At The Feast auch auf mich glatter als auf jenen Vorgängeralben, die mir bislang besonders am Herzen lagen. Aber von der Glattbügelungsepidemie, die in den letzten Jahren so einige zuvor sehr interessante Bands dahingerafft hat, ist man hier zum Glück meilenweit entfernt. Außerdem war ich dieses Jahr auf meinem allerersten Black Rebel Motorcycle Club Konzert. Und ich glaube, ich werde bei Gelegenheit wieder eines besuchen. Das ist ja eigentlich nicht so meine Art.




#5: Dear Reader – Rivonia

Dear Reader sehe ich mir auch gerne noch mal live an. Cherilyn MacNeil ist nicht nur eine begnadete Songwriterin und Musikerin, es ist auch einfach unbeschreiblich gut für das Wohlbefinden, ihr auf der Bühne zuzusehen. Zwar hat mich Rivonia nicht ganz so sehr begeistern können wie der Vorgänger Idealistic Animals, aber auch so kam ich nicht umhin, dieses Konzeptalbum über einen Teil der Geschichte Südafrikas in meinen Top 5 zu platzieren. Ich wünschte nur, ich hätte die Zeit gefunden, mich ausführlicher mit den Texten und so mit MacNeils Auseinandersetzung mit dem Thema Apartheid zu befassen.




#4: Baths – Obsidian

Jetzt wird's zunehmend seltsam. Die Musik von Baths würde ich gerne als unpopulistische Popmusik beschreiben. Mit Verweigerung hat es nicht direkt etwas zu tun, eher mit Unkonventionalität, die ihrerseits jedoch kein bisschen gekünstelt, sondern in all ihren Details organisch gewachsen zu sein scheint. Trotzdem aber eher aus Plastik als aus Holz. Ein bisschen Stein und Metall hier und da. Würde es nicht so prätentiös klingen, würde ich behaupten, hier wird Schönheit neu definiert. Ein kleines bisschen hat es gedauert, mich darauf einzulassen, aber Obsidian hat mich dieses Jahr auf eine (meist) leise und zurückhaltende Art unbeschreiblich glücklich gemacht.




#3: These New Puritans – Field Of Reeds

Ich gebe es zu: Konventionelles kam beziehungsweise ging mir dieses Jahr nicht besonders nah. Und konventionell waren These New Puritans zum Glück ja noch nie. Die Musikalität, die auf Field Of Reeds aus jeder einzelnen Note tönt, haut mich einfach völlig um. Ein Monument. Vielleicht ist es die natürliche Reaktion meinerseits auf die Vereinnahmung größenwahnsinnig gesinnter "Indie"-Musik durch die werbefinanzierte Popkultur, die mich in die Arme der Verschrobenen treibt. Andererseits fand ich schon immer vor allem das gut, was auf mich einen (subjektiv nachvollziehbar) ehrlichen Eindruck macht. Ein wie auch immer gearteter Inhalt, der sich mir im richtigen Moment nachhaltig erschließt.


These New Puritans - Organ Eternal (Official Video) from PIASGermany on Vimeo.

#2: Son Lux – Lanterns

Fast hätte ich es völlig verpasst, das neue Album von Son Lux. Hätte mich mein Fräulein Liebling nicht auf das Konzert am 14. Januar 2014 hingewiesen, dann wäre ich vielleicht nie auf die Idee gekommen, dass dieser geniale Typ, den ich nur kennengelernt habe, weil sein letztes Werk auf dem grandiosen Label Anticon erschien, etwas Neues veröffentlicht haben könnte. Das kommt wohl davon, wenn man sich vor allem für Musik unterhalb der medialen Oberfläche interessiert, dabei aber zu faul oder unfähig oder beschäftigt ist, um sich regelmäßig auf Pitchfork oder dergleichen zu informieren. Ich hatte dieses Jahr eben viel Glück. Und dafür bin ich unendlich dankbar. Vielleicht wäre ich mir dessen sehr lange nicht bewusst geworden, aber ohne Lanterns wäre das Glück des Jahres 2013 unvollkommen.


Son Lux - Pyre (Official Music Video) from We Are Films on Vimeo.

#1: The Haxan Cloak – Excavation

Wo wir schon beim Thema Glück angekommen sind: The Haxan Cloak klingen nicht so direkt nach Glück. Vielleicht eher nach Hexenverbrennung und dergleichen. Kann aber auch sehr, sehr glücklich machen, musikalisch gesehen. Mancher jedoch – und das trifft vielleicht nicht nur auf Personen fortgeschrittenen Alters zu – könnte beim Hören der Stücke auf Excavation der Frage zugeneigt sein, was das denn überhaupt mit Musik zu tun habe. Zum Glück ist diese Frage ja spätestens seit John Cage bedeutungslos. Zwar verweigert sich Excavation nicht vollkommen strukturellen Konventionen, es sind aber nicht die Andeutungen musikalischer Inhalte, die das Album in meinen Ohren zum besten des Jahres machen. Excavation ist ein Sound-Monster, das mir so nahe kommt wie es kaum ein anderes Album schafft. Ich möchte auf ewig damit kuscheln.