Exildiscount. A boy named Drew. Tanzmusik und Sounddesign aus Berlin.

A guy named Drew. Tanzmusik und Sounddesign aus Berlin.



Alternative House/Techno. Indie Rock. Fancy Pop.

Soundlogos. Sounddesign. Filmmusik.



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Freitag, 29. November 2013

So etwas wie ein Konzertbericht, kritisch. Placebo in der O2 Arena Berlin.

Es ist ja grundlegend erst mal eine gute Sache, dass sich Dinge weiterentwickeln. Und Menschen. Finde ich. Und wenn sich irgendwas weiterentwickelt, dann sind manche Menschen enttäuscht und andere wiederum entdecken vielleicht eine ganz neue Begeisterung.

Da sich Dinge und Menschen und Bands verändern und entwickeln, habe ich von dem Placebo-Konzert in der O2 Arena Berlin von vornherein nicht besonders viel erwartet. Ich war einfach nur gespannt, vor allem, weil ich vorher noch nie in dieser Riesenhalle war. Und weil der Umstand, dass ich über die Gästeliste reinkam, mir das Privileg verschaffte, nichts erwarten zu müssen und stattdessen einfach mal nur gespannt sein zu dürfen.

Ich muss sagen, ich bin begeistert, wie anregend dieser Konzertbesuch letztendlich war. Es war alles in allem ziemlich schlimm. Aber bei allem Schlimmsein eben irgendwie auch ganz schön interessant, weil ich, während ich so da saß und immer wieder kopfschüttelnd auf die etwa 80 Meter entfernte Bühne starrte, das Gefühl hatte, etwas zu lernen. Über mich und mein Verhältnis zu Konzerten zum Beispiel.

Ich war noch nie ein besonders großer Konzertfan. Es gibt Bands, die möchte ich unbedingt mindestens ein mal live erleben. Aber meistens gehen mir die vielen Menschen auf die Nerven. Die überteuerten Preise für einen Becher Sprudelwasser und das Stehen und Sichstrecken und Andenköpfennochgrößerermenschenvorbeischielen. Deshalb habe ich mich fast ein bisschen über den Sitzplatz im unteren Rang der Telefonanbietermehrzweckhalle gefreut. Aber die O2 Arena ist einfach ein wirklich schlimmer Ort. Ich hatte es nicht anders erwartet. Aber wenn in den Pausen das Saallicht hochgedimmt wird und einmal um den gesamten Zuschauerraum herum die LED-Bande ihre hässlichen Werbebotschaften in die Gehirne der Massen zu hämmern versucht, dann kommt das meiner Vorstellung von der Hölle schon sehr nahe. Ich würde fast sagen, so ein Konzertabend ist in den kurzen Momenten zwischen Werbeblock und Konzertbeginn am schönsten.

Die O2 Arena in ihrem wahrscheinlich schönsten Moment.
Natürlich ist das alles Geschmackssache. Und Bombast und Massenevents sind nicht meine Art von Glück, beim Großteil der anderen zehn- oder sonstwastausend Gäste scheint es aber anders zu sein. Und wenn in ein paar Jahrzehnten die Senioren auf ihren Seniorenpartys ihre Volksmusik hören wollen, dann wird das wahrscheinlich eher die Art von Musik sein, die einst in riesigen Mehrzweckarenen aus den Lautsprechern dröhnte und nicht in irgendeinem halblegalen Kellerclub.

Als ich das erste Mal auf Brian Molko traf, saß ich in meinem damaligen katholischen Gymnasium im Klassenzimmer - und hielt ihn erst mal für Claire Danes, wie er mich so von dem NME-Poster an der Schranktür anlächelte. In den Jahren darauf lernte ich ihn und seine Band dann noch ein bisschen besser kennen. Vor allem, als dann das Album Without You I'm Nothing rauskam und mich mit seiner Mischung aus Arroganz und Depression so richtig umblies. So, dachte ich damals, müsste es sich wahrscheinlich anhören, wenn sich Kokain und Heroin die Waage halten. Drogen sind natürlich keine gute Sache und so. Aber die Stimmung auf Without You I'm Nothing war schon wirklich einzigartig. Und verdammt intensiv.

Ich mag es, wenn Musik und Filme und Bücher oder sonstwas mich so richtig umhauen. In alle möglichen Richtungen. Ich finde auch Glück darin, wenn mich etwas erst mal deprimiert. Wenn es mir denn etwas sagt. Placebo sagten mir mit ihrer Musik irgendwann nicht mehr so viel. Black Market Music ging noch ganz gut, aber Sleeping With Ghosts hat mich einfach nur kalt gelassen. Unangenehm kalt. So spätherbst-nasskalt quasi. Hat mich so gar nicht abgeholt, würde Nena sagen. Bei Meds flackerte tatsächlich noch mal so etwas wie Begeisterung auf, aber ab Battle for the Sun habe ich es endgültig aufgegeben. Placebo und ich, wir haben uns weiterentwickelt, so was passiert. Täglich. In Millionen Haushalten. Und vorm Scheidungsrichter kreuzen sich ein letztes Mal die Wege.

Wie gesagt, Weiterentwicklung ist okay, und ich habe nichts von dem Konzert erwartet. Es ist okay, dass Placebo den Erfolg haben, den sie haben, mit einer Musik, die mich meistens einfach nur langweilt. Stadionrock ist schon okay. Für die, die Stadionrock mögen, und das sind ja immerhin ganze Stadien! Aber es gibt da ein paar Dinge, die mich schon irgendwie ein bisschen wirklich ärgern.

Im Zuge ihrer Weiterentwicklung hatten Placebo sich ja von ihrem alten Trommel-Steve getrennt und stattdessen einen neuen Trommel-Steve engagiert. Ich habe auch gar nichts gegen den neuen Trommel-Steve, aber haben sie keinen Trommel-Steve mit mehr Gefühl finden können? Vor allem bei den älteren Stücken wurde deutlich, dass der Neue mit Dynamik nicht viel am Hut hat. Die Snare Drum war durch sein Gedresche einfach nur überrepräsentiert. Ich bin kein Freund von Früherwarallesbesser und so, aber bestimmte Lieder haben eben bestimmte Stimmungen, und wenn man es nicht schafft, diese Stimmungen nach Jahren zu reproduzieren, dann sollte man doch besser die Gegebenheiten akzeptieren und es nicht weiter versuchen.

Fairness halber muss ich gestehen, dass der neue Trommel-Steve nicht allein für diesen Ärger verantwortlich zu machen ist. Auch Brian Molko scheint nicht mehr wirklich hinter seinen alten Songs zu stehen. Teenage Angst zum Beispiel wurde irgendwie in eine platte Hymne verwandelt. Und im Schatten des viel zu bunten und viel zu grellen Lichts war es nur noch eine Persiflage seiner selbst.

Das alles sind natürlich sehr subjektive Eindrücke. Ich hab's ja auch gesehen. Zwar sah die Masse der Besucher nicht wirklich übermäßig begeistert aus, aber wenn ich mich umgesehen habe, sah ich überall das eine oder andere glückliche Gesicht an einem Kopf am oberen Ende eines zufrieden mitschunkelnden Konzertbesucherkörpers. Zum Schluss möchte ich aber auf generelle Überlegungen eingehen, die mir während des Konzerts durch den Kopf gingen.

Besonders schöner Aspekt der Show: Die Band hat extra Schauspieler engagiert, die mit einem Schattentheater die Bühnenshow unterstützten.

Auch wenn ich ja nicht besonders oft auf Konzerte gehe, meine ich eine Entwicklung auf dem Gebiet der Lichtshow ausmachen zu können. Nicht der Umstand, dass Stadionrock plötzlich viel zu hell und übertrieben effektbeladen beleuchtet wird, das war vielleicht schon immer so. Aber mindestens auf den Konzerten, die ich in den letzten Monaten und Jahren gesehen habe, ging der Trend stark in Richtung Multicolor. Ich meine damit nicht, dass zu einer bestimmten Stelle in einem bestimmten Lied die Bühne in einem riesigen Farborgasmus erstrahlt, sondern dass man mit einer blauen Stimmung anfängt und dann kommt irgendwann noch rot, und grün und gelb und nicht alles auf einmal, aber einfach alles so schrecklich unzusammenhängend. Bin ich denn der einzige, der noch Zusammenhänge auch im Bühnenbild mag? Als ich als Auszubildender und auch noch danach öfter Konzertlicht machte, bewunderte ich auf Konzerten die klaren und durchdachten Lichtkonzepte der Lightdesigner und gab mir Mühe, ihnen so gut wie möglich nachzueifern. Vor allem in der Reduktion liegt doch so viel Kraft, indem man dadurch überhaupt Raum schafft für wirklich wirkungsvolle Effekte. War es einfach nur eine Lichtmode und nachvollziehbare Konzepte sind nicht mehr in? Ich hoffe einfach, dass die mir wirklich wichtigen Künstler in Zukunft immer mit den richtigen Lichtdesignern und Lightoperatoren auf Tour gehen, wenn ich mich entschließe einem ihrer Konzerte beizuwohnen. Bonbonlicht kann nun mal so viel zerstören.

Eine andere Sache waren noch die Bühnenmusiker. Heute Abend hatte ich den Eindruck, dass sie nicht nur dazu da waren, den Gesamtsound aufzufüllen und abzurunden, sondern dass es eigentlich sie waren, die die markanten Instrumentalstimmen spielten, die man eigentlich mit dem Namen Placebo verbindet. Vor allem bei den Stücken aus früheren Alben fiel es auf. Vielleicht finde ich ja die neueren Alben auch deshalb so langweilig, weil Placebo es aus Rücksicht auf die im Dunkeln stehenden Bühnenmusiker möglichst vermeiden, ihre Instrumente auf interessante Weise einzusetzen. Auf jeden Fall wirkt dieses Bild einer Bühne, auf der nur die Hälfte der Musiker ausgeleuchtet ist, weil man ihre Namen kennt, während die dunklere Hälfte irgendwie einen großen, auf jeden Fall aber einen wichtigen Teil der Leistung bringt, auf mich unangenehm arrogant und allürenhaft. Und man hätte sie ja ruhig mal vorstellen können. Einfach mal danke sagen und so. Aber auch das ist natürlich nur meine ganz persönliche Meinung.

Samstag, 23. November 2013

Hildesheim Light Night Shopping 2013 - "Tröröö"

Seit 2010 habe ich das wiederkehrende Vergnügen, eine Videoanimation zu vertonen, die alljährlich Ende Oktober im Rahmen des Light Night Shopping-Events in Hildesheim auf eine Fassade projiziert wird.


Light Night Shopping Hildesheim 2013 - Tröröö from Herr Schmidt on Vimeo.

Animation: Thomas Schmidt
Sounddesign & Musik: Exildiscount
Produktion: MediaPlus.X